Archäologie und Kampfmittel

Des einen Freud ist des anderen Leid! Zeit ist Geld und Geld ist knapp – auch für Bauherren. Umso unerfreulicher scheint es Verantwortlichen für Bauprojekte auf den ersten Blick, wenn sich die Arbeiten durch archäologische Nachforschungen oder den Verdacht auf Blindgänger verzögern. Warum diese Arbeiten trotzdem unabdingbar sind und welche einzelnen Schritte hinter ihnen stehen, beleuchtet Josefine S. in einem Gastbeitrag.

von Josefine S.

Kampfmittel

Flugzeugbergungsarbeiten

Vom Bodengutachten zur Ausgrabung

Sollte bei der Erstellung des Bodengutachtens ein Verdacht auf archäologische Stätten aufkommen, oder das Baugrundstück in einem historisch interessanten Gebiet liegen, werden zunächst geologische, archäologische und historische Aufzeichnungen detailliert auf Hinweise überprüft. Schon in Kombination mit dieser Recherche können Probebohrungen durchgeführt werden, um das archäologische Potential des Bodens realistisch zu überprüfen, auch um einen Einblick in die Bodenstruktur zu gewährleisten, ohne Schaden anzurichten. Durch systematische Bohrungen kann im nächsten Schritt die genaue Lage archäologischer Funde festgestellt werden. Danach wird durch ein Evaluierungsprotokoll ermittelt, ob sich eine Ausgrabung lohnt. Sollte dies der Fall sein, muss ein Kompromiss zwischen den ursprünglichen Bauvorhaben und den denkmalpflegerischen Notwendigkeiten gefunden werden – schließlich besteht ein öffentliches und wissenschaftliches Interesse daran, bedeutende archäologische Kulturdenkmale zu erhalten. Auch wenn diese Prozesse aus Sicht einiger Bauherren sicherlich nicht höchste Priorität hat, sind doch solche Ausgrabungen wichtiger Bestandteil der archäologischen Forschung. Durch sie wurden schon viele bedeutende Funde zutage gefördert.

Kampfmittel

Experten im Einsatz

Weniger erfreuliche Funde

Über die genaue Zahl der nicht detonierten Kampfmittel auf deutschen Boden können Experten nur spekulieren. Zwar lässt sich aus Luftaufnahmen und historischen Dokumenten schließen, an welchen Stellen Bomben durch die Alliierten abgeworfen wurden, wie viele der Kampfmittel jedoch eine Gefahr als Blindgänger darstellen, lässt sich nicht genau feststellen. Fest steht, dass im Jahr 2014 allein in Bayern über 50 Tonnen Weltkriegsmunition beseitigt wurden. Besonders an Standorten der Waffenproduktion, wie zum Beispiel einigen Städten in Nordrhein-Westfalen oder der brandenburgischen Kleinstadt Oranienburg ist die Blindgänger-Dichte besonders hoch. Speziell in diesen Gegenden sind Nachrichten über Kampfmittelräumungen und die Evakuierung der Bewohner keine Seltenheit in den örtlichen Tageszeitungen.

Sollte es Anzeichen für nicht detonierte Kampfmittel auf einem Baugelände geben, wird eine projektgebundene Risikoanalyse durchgeführt, die Einblick darüber gibt, ob und in welchem Umfang Gefahr für die weitere Durchführung des Bauvorhabens besteht. Dabei wird ebenfalls auf historische und archäologische Dokumentationen zurückgegriffen, Kampfmitteldetektion mit Hilfe von Ortungsausrüstung durchgeführt und gegebenenfalls Altlasten gesichert und beseitigt.

Kampfmittel

Kampfmittelsondierung zu Land

Auch wenn viele dieser Kampfmittel seit mittlerweile über 70 Jahren ohne Zwischenfälle unter der Erde liegen, besteht dennoch die Gefahr, dass durch den Verfall der Materialien oder chemische Reaktionen eine Explosion ausgelöst wird. Gerade weil es so schwierig ist, die wirkliche Gefahr, die von Munition aus dem Zweiten Weltkrieg ausgeht, einzuschätzen, muss im Falle verdächtiger Funde unbedingt die Polizei verständigt werden.

 

 

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