Griechenland – Mochlos im Frühling (1/5)

Wie das griechische Eiland Mochlos in der östlichen Mirabello-Bucht von Kreta überraschende Aus- und Einsichten auf und in eine gar nicht so fremde Kultur eröffnete. Und: Was Amerikaner und andere Nicht-Kreter an der alten Inselkultur so fasziniert und was das für die Kreter oder Κρήσιος, wie sie die Mykener einst nannten, bedeutet.

von Max Delius

 

Die Bucht von Mochlos

Hereinspaziert zum ersten Teil unseres kleinen Mochlos-Beitrags!

Warum überhaupt Ostkreta? Zunächst einmal hat man so seine Vorstellungen: Meer, Palmen, Ölbäume, Drachenwurz, Wildziegen und vielleicht auch der sagenumwobene Minos mit seinem Gold.

Man rutscht dann so mir nichts dir nichts von einer Begegnung und Wahrnehmung zur anderen. Dabei eröffnen sich immer wieder faszinierende Einblicke und Facetten, die man so hier nicht vermutet hätte. Wir lassen auf dem Weg in den Osten der Insel Getreide-Windmühlen, Buchten und Schluchten an uns vorbeirauschen. Versteht man, was man da erblickt? Nicht im Ansatz! Aber weiter…

Als die Wahl auf Mochlos fiel, war uns noch nicht klar, dass dieser Ort archäologisch recht bedeutsam ist. Und als wir in der einsamen Bucht die Zelte vertäuten, verschlug uns der Blick auf die Insel Mochlos mit den schemenhaft erkennbaren Strukturen der minoischen Siedlung schier die Sprache – ganz ohne Gold und Palmen.

 

Die Insel Mochlos

Wie mag sich wohl das Leben in diesem paradiesischen Teil der Welt über die Jahrtausende hinweg abgespielt haben? Was motivierte die Menschen, gerade hier zu siedeln? Und was oder wer vertrieb sie immer wieder?

Vom Stöckchen aufs Hölzchen

Wendet man sich den Geschichten der heutigen Dorfbewohner von Mochlos zu, dann gelangt man fast zwangsläufig zu den Geschichten der Minoer und ihrer Ausgräber. Μαύρα Φρούδια – das heißt “schwarze Augenbrauen” und ist ein Projekt dreier Musiker, darunter Stelios Petrakis, ein Lyra- und Flötenspieler aus Mochlos. Seine Eltern betreiben eine kleine Galerie und manch anderes oberhalb des Dorfes und: Sein Vater erinnerte sich sehr gut an die „jüngsten“ Ausgräber auf der Insel – ein Team um Jeffrey Soles von der University of North Carolina at Greensboro und Costis Davaras vom Archäologischen Institut von Kreta. Der Bootsmann Vangelis Kypraiou brachte die Ausgräber auf die Insel, wie schon viele vor ihnen und wie auch uns. Eine kleine Glocke an einer kleinen Kapelle auf der Insel gilt es zu läuten, wenn man schließlich der mittäglichen Sommerhitze entrinnen und wieder zurück ins Dorf möchte.

Amerikaner auf Kreta

Also Amerikaner. Genauer amerikanische Archäologen. Und das schon über eine sehr lange Zeit hinweg: Vor Jeffrey Soles waren es Richard B. Seager (1882-1925), der auf dem Rückweg von Ägypten auf dem Weg nach Kreta auf hoher See sein Leben lies, J. Leatham und Sinclair Hood, die den minoischen Hafenort unter Wasser erkundeten, oder Frederick Hemans, unter dessen Leitung die Topographie der Insel und ihre einstige Verbindung mit dem kretischen „Festland“ erforscht wurden. Nicht nur Mochlos, sondern ganz Kreta blickt auf eine fast 150 Jahre währende Tradition amerikanischer Archäologie zurück – nur fehlt es wie so oft an einer tiefergehenden Reflexion dieser Forschungsarbeiten. Was sind ihre Ziele? Mit welchen Methoden und Konzepten sollen diese erreicht werden? Joseph W. Shaw hat einen wenigerseitigen Rückblick auf die Zeit von 1880 bis 1990 gewagt; von den jüngeren Akteuren fehlen jegliche Andeutungen zu ihren Ambitionen.

 

Schwarzfiguriger Lekythos mit der Tötung des Minotaurus durch Theseus, Arch. Museum von Herakleion

Das gilt auch für die anderen „Schulen“, die britische, französische und italienische. Also doch wieder die „postkoloniale“ Falle? Was genau konnten und können sie den griechischen und kretischen Archäologen geben, das über eine reine Finanzierung der Ausgrabung hinausgehen würde? Zugegeben: Wer – wenn nicht gerade die deutschsprachige Archäologie – kennt nicht den Reiz, in fernen Ländern einigermaßen exotischen Kulturen nachzuspüren?

Über diese und andere Fragen kann man mit Freunden und reichlich Raki im Schatten des mächtigen Ornos-Gebirges prächtig einschlummern. Am nächsten Morgen mit dem ersten Hieb der Kälte verlassen wir unsere Taverne. Mit dem Taxi geht es in den Westen nach Herakleion ins Archäologische Museum. Ein kleiner Kaffee Frappé mit Chalvás und schon kann es los gehen. Und es sollten so einige Überraschungen auf uns warten, aber dazu mehr im nächsten Teil hier auf dieser Seite!!!

 

 

 


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