Vom Dachbodenfund zur Revolution – Zum 150. Todestag von Christian Jürgensen Thomsen

Heute vor 150 Jahren, am 21. Mai 1865, starb Christian Jürgensen Thomsen im Alter von 76 Jahren in Kopenhagen. Er gilt als der Begründer des vor allem forschungsgeschichtlich bedeutsamen Dreiperiodensystems und damit der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie.

von Onno Quist

Thomsen

Lesens- und Hörenswertes von Darwin über Eggers bis zu Lament

Hans Jürgen Eggers widmete ihm und dem Dreiperiodensystem 20 Seiten in seiner erstmals 1959 erschienen Einführung in die Vorgeschichte. 15 Seiten sind es in Manfred K. H. Eggerts Prähistorische Archäologie. Konzepte und Methoden (2001) und nur noch drei Seiten im 2009 von Eggert und Stefanie Samida herausgegebenen Lehrbuch Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie.

Thomsen und das Dreiperiodensystem

Dabei hat dieser Mann – vielleicht unbewusst – für seine Zeit revolutionäre Ideen formuliert: Er teilte die Vorgeschichte in die Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit ein. Wie kam er dazu? Fleißig sammeln, systematisch sortieren und ordnen – am Anfang noch im Staub einer Dachkammer der Heiligen Dreifaltigkeitskirche in Kopenhagen, in der die Altertümersammlung sich anfangs befand. Tätigkeiten also, die auch heute noch ein Archäologenleben prägen (können). Nur Thomsen hatte, wie es Eggers formulierte, als „ein Mann der Praxis… eine gewisse Scheu, Bücher zu schreiben“. So dauerte es fast zwei Jahrzehnte bis er seine Erkenntnisse schriftlich niederlegte (Ledetraad til nordisk oldkyndighed, Kjöbenhavn 1836). Nur ein Jahr später erschien das Werk auch auf Deutsch als Leitfaden zur nordischen Alterthumskunde; ein eher nüchterner Titel für eine in Ihrer Wirkung fast revolutionäre Schrift.

Thomsen

Christian Jürgensen Thomsen (1788-1865) erläutert Besuchern des Dänischen Nationalmuseums von Kopenhagen Fundstücke (Zeichnung: Marquardt-P. 1846; verändert).

Allerdings würde man ihm nicht gerecht werden, bezeichnete man ihn als reinen „Museumsmann“. Denn er begründete seine Periodengliederung eben nicht nur über das Fundmaterials selbst, sondern über den Fundkontext und über Quantitätserhebungen, ergänzt durch empirische Beobachtungen.

Eine interessante Abhandlung von Peter Rowley-Conwy zum Thema – aus einer nicht-deutschen Perspektive – findet sich im European Journal of Archaeology 9, 2006, 103-130.

Übrigens: Es war das Todesjahr von Thomsen, als ein anderer Däne Geschichte schrieb: Hans Rasmus Malling Johan Hansen, ein dänischer Pastor, entwickelte die erste serienmäßig hergestellte Schreibmaschine, die erstmals auch Großbuchstaben, Ziffern und Interpunktionszeichen druckte.

 

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