Mitten im Krieg – Archäologische Kriegsrelikte im Rheinland

Aus dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege in Bonn erreichte uns zuletzt ein Geländeführer zu den archäologischen Kriegsrelikten im Rheinland. Ein wichtiges Buch, das jedoch in vielerlei Hinsicht „unfertig“ wirkt.

 von Onno Quist

 

356 Seiten, 118 Fotos, 52 Karten und Pläne, im handlichen Format 13,1 x 3 x 23,1 cm groß für angemessene 17,95 €. Das Buch ist in der Reihe Führer zu archäologischen Denkmälern im Rheinland im Dezember im Essener Klartext Verlag erschienen, herausgegeben von Jürgen Kunow und geschrieben hauptsächlich von Wiebke Hoppe und Wolfgang Wegener.

Kriegsrelikte im Rheinland als Denkmäler

Es ist das Ergebnis des Projektes „Inventar der archäologischen Relikte des Ersten und Zweiten Weltkrieges sowie des Kalten Krieges im Rheinland“, das in das LVR-Verbundprojekt „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“ eingebunden war. Nun wird schon beim schnellen Durchblättern des „Geländeführers“ schnell klar, das wirklich ausgegrabene – verborgene – Bodendenkmäler zumindest im Fundplatzkatalog eher unterrepräsentiert sind; zumeist handelt es sich um Baudenkmäler.

Erklärungen hierzu – wie auch zu methodisch-konzeptionellen Hintergründen oder zur Bedeutung des Inventars bspw. für die Historische Archäologie – sucht man vergeblich, auch in den dem Katalog vorangestellten Beiträgen zum historischen Überblick oder zur Typologie der Kriegsrelikte. Mindestens unreflektiert sind hier Sätze formuliert wie „Sowohl bei den beiden Weltkriegen als auch beim Kalten Krieg handelt es sich um geschichtliche Ereignisse, die zeitlich in sich abgeschlossen sind.“ (S. 20). Wann sind geschichtliche Ereignisse wirklich „abgeschlossen“? Und was taugt eine solche Aussage zur Legitimation denkmalpflegerischer Arbeit zu Überresten dieser Zeiten?

 

Rheinland

Gedenkstein für die Opfer einer Luftmine in Köln-Kalk, die während eines Angriffes auf Gebäude der Chemischen Fabrik Kalk GmbH durch Bomber der Royal Air Force am 27. November 1944 ums Leben kamen

Eine Seite weiter liest man: „Sowohl Boden- als auch Baudenkmäler sind bedeutende Zeugnisse der Erinnerungskultur, die es – zumindest in einer repräsentativen Auswahl – zu erhalten gilt.“ (S. 21). Denkmäler als Zeugnisse unserer Erinnerungskultur? Was ist eine „repräsentative Auswahl“ und – schlimmer noch – was bewirkt sie?

Nachlässigkeiten statt Sorgfalt

Es sind ärgerliche Ungenauigkeiten und Unschärfen wie diese, die ein großes Manko dieses Buches aufzeigen – die fehlende interdisziplinäre Einbeziehung von Historikern und internationalen Forschern; auch oder gerade weil es um das Rheinland geht. Man muss an dieser Stelle sogar von einer verpassten Chance sprechen.
Weitere berücksichtigenswerte Punkte:

  • Kann ein sogenannter „Geländeführer“ oder gar Reiseführer dem Thema überhaupt gerecht werden?
  • Warum zieht man nicht auch zeitgemäße Formate und Technologien wie Apps oder GPS usw. zurate?
  • Was ist mit der allseits lauernden Gefahr der zweifelhaften Faszination für die „unerfreulichen“ Denkmäler?
  • Man vermisst die nicht unwesentlichen Denkmäler des Ruhrgebietes mit der Stadt Essen.
  • Besonders gelungen ist vor allem die Illustration der Kartenmaterialien mit den Übersichts-Fundplatzkarten

 

 

Ein Blick über den Tellerrand hinaus lohnt sich:

 

 

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